Ab in die Notaufnahme


 


Um seelisch und moralisch zu unterstützen begleite ich einen Freund, der sich ein Schleudertraum zuzog, in die Notaufnahme, wir stehen also am Empfang, die Dame in Krankenhaustracht nimmt uns nicht wahr, sie unterhält sich angeregt mit einer Kollegin, über das vergangene Wochenende. Obwohl wir in ihrem Blickwinkel sind, bemerkt diese uns ebenfalls nicht. Mein Freund sagt zögerlich: „Hallo?“ Keine Reaktion. Nochmal etwas energischer: „Ich will ja nicht stören aber…“

Diesmal reagiert die Dame, etwas gelangweilt: „Ich brauche ihre Versicherungskarte!“

Nachdem mein Freund ihr die Karte gab: „Geburtsdatum?“

Zu der Zeit gab es sie noch, „Das wären dann 10,00€ Notfallgebühr.“

Heißt das nicht Praxisgebühr?

„Nein, das ist was Anderes.“

„Beschwerden?“

Ähm also ich hatte einen Auffahrunfall und dann Rückenschmerzen…

„In Ordnung, bitte nehmen Sie dort hinten Platz“

Wo ist dort hinten?

„Bei den Pflanzen“

Ein kurzer Blick in den Bereich vor der Notaufnahme zeigt ein einziges Schlachtfeld.

Wir warten also im Wartebereich.  

55 Minuten vergehen, bevor mein Freund aufgerufen wird.

Es folgt ein 3-Minuten-Gespräch mit dem Arzt, der Arzt schickt ihn zum Röntgen,

wird sitzen erneut in einem Wartbereich. Weitere 40 Minuten vergehen,

Das Röntgen dauert nochmal ungefähr 3 Minuten, bitte nehmen Sie noch einmal

Im Wartebereich Platz. 30 Minuten später. Der Arzt spricht erneut mit meinem Freund:

„Sie haben ein Schleudertraum, ich schreibe Sie heute krank, schonen Sie Ihren Rücken“

Und am nächsten Tag wird mit Rückenschmerzen weitergearbeitet.

Die Notaufnahme hat schlimmeres gesehen, ein gebrochener Zeh,

ein geprelltes Handgelenk oder ein Schleudertraum sind Lappalien.


6.8.14 18:40

Letzte Einträge: Eine Welt von Egoisten?

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen